DF2DD
German-Amateur-Radio-Station

 Neben der "breiten Masse" haben sich auch einige "prominente" Persönlichkeiten dem Hobby "Amatuerfunk verschrieben.

 

Zu den bekanntesten unter ihnen gehören u.a. König Juan Carlos von Spanien und der 1999 verstörbene König Hussein von Jordanien.

 

Das folgende Bild zeigt König Juan Carlos (EAØJC) an seiner Station.

 

Juan Corlos ist immer noch auf den Bändern aktiv. Zuletzt hörte ich ihn in einem spanischen Contest auf dem 40m-Band.

 

 Zu den bekanntesten Funkamateuren gehörte sicherlich König Hussein von Jordanien.

 

 "Name is Hussein, QTH is Amman..."

 

 "Erst wollte ich es nicht glauben, als er auf meinen CQ-Ruf zurückkam - dann konnte ich nur noch stottern. Wie rede ich  ihn denn jetzt an?, durchfuhr es mich - einfach 'OM Hussein' oder doch lieber 'Your Royal Highness'? "So oder so ähnlich mögen jene erzählen, die eine unerwartete Ätherwellen-Begegnung mit Jordaniens König Hussein I. hatten.

 

Seine Biografie und sein politisches Wirken wurden von den Medien ausführlich gewürdigt; eine ausführliche offizielle Homepage inklusive Bild und Ton gibt es unter http://www.kinghussein.gov.jo/.

 

Ich begnüge mich  mit einigen Stichworten und widme meinen Rückblick vor allem der Erinnerung an den Funkamateur JY1.

Elhussein bin Talal, nach offiziellen Angaben direkter Nachfahre des Propheten Mohammed, wurde geboren am 18. Sha'aban 1354 Hijri (14. November 1935)und wuchs unter der Aufsicht seines Großvaters heran , König Abdullah, seines Vaters, König Talal, und seiner Mutter, Königin Zain. Seine Erziehung erfolgte in der Nationalschule und am Islamischen Kolleg in Amman, am Victoria College in Alexandria und ab 1950 in der Harrow School in England. Dort erhielt er von
Freunden als Geschenk einen Empfänger von Hallicrafters. "Damals begann ich mich dafür zu interessieren, wie Menschen miteinander kommunizieren", bekannte er Jahre später in einem Interview.

 

König Abdullah fiel 1951 einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger, König Talal, mußte schon nach wenigen Monaten eines Nervenleidens wegen abgesetzt werden. Am 11.August 1952 wurde der erst siebzehnjährige Hussein zum König des Haschemitischen Königreichs ausgerufen, jedoch besorgte ein Thronrat die Amtsgeschäfte.

 

Hussein beendete zunächst seine militärische Ausbildung in England, in Sandhurst, ehe er am 2.Mai 1953 formell den Thron bestieg. Aus England und später aus den USA kehrte er als begeisterter Flieger und von einem seiner Trainingslager schließlich auch als Funkamateur in seine Heimat zurück.
 

Jahrhundertelang hatte das schon in vorchristlicher Zeit von Arabern besetzte Ostjordanland zu Syrien gehört und war unter den osmanischen Sultanen von 1516 bis 1918 der Provinz Damaskus zugeteilt. Nach dem ersten Weltkrieg kam es zusammen mit Palästina unter britisches Mandat. 1921 trennten die Briten das Gebiet östlich des Jordans als "Transjordanien" von Palästina ab und setzen Husseins Großvater Abdullah als ersten Emir in Amman ein. Das Land wurde aber weiterhin von einem britischen Hochkommissar verwaltet. Aus jener Zeit stammen die ersten Aktivitäten in der Region stationierter britischer Funkamateure unter dem Rufzeichen ZC6. Am 22. März 1946 erhielt Transjordanien nominell die Unabhängigkeit, und der Emir nahm den Königstitel an. Diese Staatsgründung führte auch erstmals zur Anerkennung als DXCC-Land.

 

Im Israelisch-Arabischen Krieg von 1948 besetzte die Arabische Legion des Königs die östlichen Teile Palästinas (die seit 1967 von Israel besetzte "West Bank") und die Altstadt Jerusalems (deren offizielle Eingliederung 1950 erfolgte), und der Landesname wurde in "Haschemktisches Königreich Jordanien" geändert.

 

Noch bis 1956 war das britische Militär als eigentliche Führungskraft der Arabischen Legion präsent - und aus dieser Zeit stammen die ersten Nachweise von Funkverbindungen mit dem Kenner JY1 (JY1OG, Geoff Stevensen, und JY1PB, Neville E. Wicks G3IJO, zuvor DL2PA und DL2PG, später VQ4FI).

 

Auch Gus Browning hielt auf seiner DX-Reise 1965 Zwischenaufenthalt in Jordanien und aktivierte 4X1DK und JY74.

 

Hussein reaktivierte JY1 als sein eigenes Rufzeichen (ohne Suffix - ein königliches Privileg unter souveränem Verzicht auf internationale Regelungen) Ende der sechziger Jahre. Seine erste Station hatte er aus den Staaten mitgebracht: Die legendäre Drake-Line mit dem Empfänger R4B, dem Sender T4-XB und der Endstufe L4B, betrieben an einer Antenne von Hygain. Er hielt Drake die Treue - die Firma beeilte sich, ihm sofort jede Neuentwicklung zu widmen - bis zur 7er-Line,
wechselte aber nach 1990 zu Icom, dessen 781 er sehr schätzte.

 

Hussein sah den Amateurfunk nicht bloß als privates Hobby an. Vielmehr demonstrierte er auf diesem Weg bewußt sein Bekenntnis zu technischer Innovation und die - für einen absolut regierenden Monarchen ungewöhnliche - Aufhebung der Distanz von Rang und Herkunft: "Der Amateurfunk hat mir ermöglicht, Menschen in aller Welt zu begegnen, dem einen oder anderen auch persönlich, und zu erkennen, daß wir zu einer einzigen großen Familie gehören, deren Heimat heute die ganze Welt ist", zitiert ihn 1993 G3XDV in einem Interview für die Zeitschrift RadCom. Und weiter: "Oft hat Amateurfunk uns geholfen, humanitäre Hilfe zu organisieren, vor allem 1967-1970, als die konventionellen Fernmeldeanlagen schwer beschädigt waren." Dies ist ein vorsichtig formulierter Hinweis auf die damaligen krisenhaften und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Region. Auch die "Lizensierung" seiner zweiten Frau, Königin Muna, als JY2 war nicht zuletzt eine politische Kundgebung und als Stärkung der Rolle der Frau in der arabischen Gesellschaft gedacht.

 

"Ich haben durch mein persönliches Beispiel viele Jordanier ermutigt, sich auf diesem Gebiet zu betätigen - sowohl technisch als auch, was ebenso wichtig ist, in der zwischenmenschlichen Kommunikation". Diese Aussage Husseins war zunächst Wunschdenken. Anfänglich konzentrierte sich die Amateurfunktätigkeit auf den königlichen Hof: Königin Muna, JY2; den persönlichen Adjudanten Major Zaza, JY1/B; Kronprinz Hassan bin Talal, JY2HAT; Zedan Hussein JY6FC
(später JY3ZH, 8Z4A) und Prinz Ra'ad, JY2RZ, den ersten Präsidenten der vom König im Januar 1971 gegründeten "Royal Jordanian Amateur Radio Society"(Diplom der RJARS). Bald aber wurden in immer rascherer Folge neue Rufzeichen ausgegeben: JY4-6 für Jordanier, JY7 1980 zum 45. Geburtstag des Monarchen, JY8 und JY9 für Ausländer und Gastlizenzen, JY25 1977 zum 25jährigen Regierungsjubiläum, JY50 1985 anläßlich Husseins 50. Geburtstags.
Alle Mitglieder des Königshauses genießen automatisch Amateurfunk-Privilegien. Die aus den USA stammende Königinwitwe, Queen Noor, ist JY1NH, der ehemalige Kronprinz Hassan ist JY2HT. König Abdullah hat allerdings, zumindest derzeit, kein Rufzeichen.
 

Grüße aus dem All

JY1 nützte vor allem in den ersten Jahren jede freie Minute für sein Hobby und wies Besucher gern auf die vielen Diplome und das DXCC mit der beeindruckenden Anzahl von Stickern hin. Er hatte ein QSO mit seinem königlichen Funkfreund EA0JC, Juan Carlos von Spanien, und er hätte gern auch eines mit VU2RG geführt, aber der indische Ministerpräsident war nicht einmal für einen so prominenten Partner aufs Band zu bringen und zog ein Gespräch unter vier Augen vor.

 

Besonders stolz war Hussein auf sein QSO mit dem ersten funkenden Astronauten, Owen Garriott, W5LFL, beim 92. Überflug mit dem Space Shuttle "Columbia", anläßlich der Mission STS-9. Um diese für beide Seiten medienwirksame Begegnung sicherzustellen, hatte die ARRL eigens Dave Bell W6AQ und Duane Dahlberg (WB6WMA) nach Amman delegiert.

 

Dave berichtete über den Einsatz:

"Die Verbindung war für Sonntagmorgen, den 14. Dezember 1983, acht Uhr Lokalzeit, angesetzt worden. Am Samstagabend bauten Duane und ich die Videoanlage im königlichen Shack auf. Major Ali Shukri, JY3AK, der Kommunikationsratgeber des Königs, und Bruce Blackburn, JY9BB (W4TA), von der US-Botschaft kontrollierten noch einmal die beiden 2m-Anlagen, die eigens für diesen Sked errichtet worden waren. Am Sonntag waren offenbar alle außer König Hussein sehr nervös, und die Unruhe wuchs, als wir fünf Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt die TV-Aufzeichnung starteten - und zunächst nichts geschah. Aus unerfindlichen
Gründen rief Owen erst mit beträchtlicher Verspätung, als sich die 'Columbia' bereits über dem Golf von Aqaba befand; aber seine Stimme kam laut und klar durch.

 

Das QSO endete allerdings aufgrund des verzögerten Beginns nicht mit dem üblichen gegenseitigen '73', weil die 'Columbia' bald unter dem Horizont unterging."

 

Hier  kann man den Funkverkehr hören.

 

Die Maschine der jordanischen Fluglinie ALIA nach New York sollte um elf Uhr starten. Ich verstaute in aller Eile meine Video- und Audiokassetten und raste zum Flughafen. Meinetwegen hatten die Passagiere fast eineinhalb Stunden in der startklaren Maschine ausharren müssen, und als ich an Bord kam, bemühte ich mich sehr, möglichst unbeteiligt dreinzuschauen. Die Maschine rollte los, noch ehe ich meinen Sitzplatz eingenommen hatte."

 

Welch großes Anliegen der Amateurfunk dem König war, beweist auch seine aktive Einflußnahme bei der Schaffung der WARC-Bänder.

 

Daß der König den Amateurfunk als grenzüberschreitendes, völkerverbindendes Medium ansah, bewies er nicht nur dadurch, daß er darauf bestand, auf dem Band wie jeder andere Amateur auch bloß mit dem Vornamen angesprochen zu werden. Geradezu symbolisch war z.B. seine Teilnahme an einem Field-Day auf dem Berg Hermon, wo 1995 Israeli und Jordanier gemeinsam die aus den Rufzeichen der beiden Staaten gemixte Station JY74X betrieben.

 

Die QSL-Karte von König Hussein war eine begehrte Trophäe.

 

Mary Ann Crider WA3HUP erinnert sich: "Als ich im Februar 1970 mein erstes QSO mit ihm führte, schrieb ich ihm, es würde mir eine Ehre sein, ihm als QSL-Managerin zu dienen, sollte er jemals Bedarf an solcher Hilfe haben. Kurz darauf rief mich ein Funkamateur an und sagte, JY1 sei auf 10m auf dem Band und wolle mich sprechen. Ich schaltete sofort mein Gerät ein und ging auf die Frequenz. JY1 fragte mich, ob mein Angebot noch aufrecht sei, und ich sagte:
'Selbstverständlich. Es wäre mir eine Ehre und Auszeichnung.' Kurz darauf kam mit der Post ein dicker Umschlag mit Logs, Blanko-QSL-Karten und vielen Briefen, die zu beantworten waren. ... Als ich mein erstes QSO mit JY1 führte, war Jordanien ein neues Land für mich, und ebenso Neuland. Ich ahnte nicht, daß dies der Beginn einer großen Freundschaft werden sollte: Fünfmal war ich als Gast des Königs in seinem Land.

JY1 bestätigte mit vier verschiedenen QSL-Karten. Jene mit dem königlichen Wappen auf der Frontseite und dem Namensstempel auf der Rückseite wurde von seiner QSL-Managerin in den USA ausgestellt, Mary Ann Crider WA3HUP (in Jordanien: JY9AA). Wer sich direkt an das Postfach 1055 in Amman wandte, erhielt eine QSL, die auf der Vorderseite die Königskrone in Goldprägung zeigt und auf der Rückseite persönlich unterschrieben ist, mit dem stereotypen Zusatz "QSL best regards and wishes" - offenbar auf Vorrat geschrieben; die Details wurden nachgetragen unter Aufsicht von Major Ali Shukri JY3AK, dem "Kommunikationsratgeber seiner Majestät".


Bevorzugte QSO-Partner erhielten eine Faltkarte mit roter Frontseite und goldenen Kreisen um das Rufzeichen; sie wurde sowohl in den USA als auch direkt ausgestellt. Als besondere Auszeichnung gab es eine großformatige QSL mit aufgeklebten Originalfoto des Monarchen.

Mit Gastlizenzen meldete sich Hussein auch aus Spanien und den USA sowie von seinen Residenzen in Wien und Ascot - von dort war er als G0/JY1 sogar noch in den Wochen vor seiner Einlieferung in die Mayo-Klinik aktiv, wie meist auf 20m in SSB. Ein Zitat von 1993 zu seiner Station auf dem englischen Landsitz vermittelt einen ungewöhnlichen Einblick in den Charakter des Monarchen: "Unlängst gab es eine kleine Katastrophe mit der Antenne. Sie bekam einen Knick, und als wir sie abmontieren wollten, stürzte sie ab - ganz so, wie es auch mir ein paarmal im Leben ergangen ist. Aber jetzt ist sie wieder auf ihrem alten Platz und funktioniert wie seit eh und je."

 

König Hussein I. von Jordanien starb am 7. Februar 1999 in Amman an den Folgen eines Krebsleidens.